Inhalt(7 Kapitel)
Vielleicht kennen Sie die Frage nach Dienstschluss: Wer bin ich, wenn ich die Uniform ablege? Vielleicht stellen Sie sie sich erst, seit ein beruflicher Wechsel denkbar geworden ist. Sie müssen darauf weder sofort eine Antwort finden noch aus der Frage bereits eine Entscheidung ableiten.
Der Beruf kann für Zugehörigkeit, Verantwortung und Sinn stehen. Was davon Ihnen persönlich wichtig ist, lässt sich nicht aus Ihrem Dienstgrad oder Ihrer Dienstzeit ablesen. Und was Sie außerhalb des Dienstes möchten, muss kein Gegenentwurf zu allem sein, was Sie bisher getan haben.
Dieser Beitrag bietet Fragen zur eigenen Orientierung. Er ordnet Ihnen keinen psychologischen Typ zu und behauptet nicht, dass Polizeibeschäftigte einen bestimmten Identitätsprozess durchlaufen müssen. Fachlich überarbeitet am 19. September 2026.
Was genau würden Sie vermissen?
Die Frage „Will ich bleiben oder gehen?“ umfasst vieles auf einmal. Versuchen Sie zunächst, die einzelnen Bestandteile auseinanderzuhalten:
- Die Tätigkeit: Welche Aufgaben erledigen Sie gern, welche möchten Sie künftig seltener übernehmen?
- Die Menschen: Welche Beziehungen sind Ihnen wichtig? Welche davon möchten Sie unabhängig von einer gemeinsamen Dienststelle pflegen?
- Die Verantwortung: Was bedeutet es Ihnen, gebraucht zu werden, Entscheidungen zu treffen oder anderen zu helfen?
- Die Rahmenbedingungen: Wie wichtig sind Ihnen Planbarkeit, Arbeitszeit, Einkommen und berufliche Sicherheit?
- Das Selbstbild: Was bedeutet der Satz „Ich bin Polizistin“ oder „Ich bin Polizist“ für Sie?
Sie können mit Ihrer Tätigkeit zufrieden sein und sich andere Arbeitszeiten wünschen. Sie können Ihre Kolleginnen und Kollegen schätzen und dennoch eine andere Aufgabe suchen. Halten Sie solche Unterschiede fest, bevor Sie alles unter einem einzigen Urteil über den Beruf zusammenfassen.
Welche Erfahrungen gehören auch außerhalb des Dienstes zu Ihnen?
Notieren Sie konkrete Situationen, in denen Sie etwas gelernt, organisiert, erklärt oder entschieden haben. Ergänzen Sie, was Sie daran persönlich wichtig fanden. Das ist genauer als eine pauschale Liste vermeintlich typischer Polizeistärken.
Vielleicht haben Sie gelernt, schwierige Gespräche vorzubereiten. Vielleicht liegt Ihnen die Ausbildung anderer Menschen. Vielleicht möchten Sie gerade weniger Verantwortung unter Zeitdruck tragen. Auch diese letzte Erkenntnis ist für die weitere Planung brauchbar.
Ob eine Erfahrung für eine andere Stelle ausreicht, ist eine eigene Frage. Prüfen Sie dafür die tatsächlichen Anforderungen und Ihre Nachweise. Der Beitrag „Berufserfahrung für Bewerbungen übersetzen“ bietet einen konkreten Abgleich für Bewerbungen.
Nachdenken und Erproben verbinden
Die Organisationsforscherin Herminia Ibarra beschreibt in Working Identity berufliche Neuorientierung durch das Erproben neuer Tätigkeiten, neue Kontakte und die Reflexion der dabei gewonnenen Erfahrungen. Auf ihrer eigenen Buchseite nennt sie als Grundlage ihre Forschung zu Fach- und Führungskräften im Übergang; dort ist die aktualisierte Ausgabe von 2023 ausgewiesen. Das ist ein Ansatz zur Orientierung, kein polizeispezifischer Erfolgsnachweis und kein Beleg dafür, dass Selbstreflexion nutzlos wäre. Quelle: Herminia Ibarra, Working Identity
Für Ihre eigene Erkundung könnten Sie beispielsweise:
- mit jemandem über den tatsächlichen Alltag in einer interessanten Tätigkeit sprechen;
- eine öffentliche Fachveranstaltung besuchen;
- ein eigenes kleines Lernprojekt ausprobieren;
- einen vorhandenen Kontakt außerhalb des Dienstes wieder aufnehmen.
Wählen Sie einen überschaubaren Schritt, der zu Ihrer Situation passt. Klären Sie dienstrechtliche Fragen gesondert, bevor aus dem Kennenlernen eine Nebentätigkeit oder ein Praktikum wird. Ein angenehmes Gespräch belegt noch nicht, dass ein ganzer Beruf zu Ihnen passt; eine ungewohnte erste Begegnung widerlegt es ebenfalls nicht.
Drei Anlässe für eine Bestandsaufnahme
Ein prägender Einsatz, ein enttäuschendes Personalgespräch oder eine Veränderung im Familienleben können Anlass sein, die eigene Situation zu prüfen. Die folgenden Fragen sind Anregungen, kein wissenschaftliches Stufenmodell:
Nach einem beruflichen Erlebnis: Was beschäftigt mich genau? Brauche ich fachliche Unterstützung, Erholung, eine veränderte Aufgabe oder zunächst jemanden, mit dem ich darüber sprechen kann?
Nach einer Bewertung oder Entscheidung: Geht es um einen bestimmten Konflikt oder um meine langfristigen Vorstellungen? Welche Informationen fehlen mir, bevor ich daraus eine Konsequenz ziehe?
Bei veränderten privaten Bedürfnissen: Welche Rolle sollen Arbeit, Beziehungen, Familie und eigene Interessen künftig spielen? Was müsste sich dafür konkret ändern?
Aus keinem dieser Anlässe folgt automatisch ein Ausstieg. Ebenso wenig lässt sich versprechen, dass ein bewussteres Nachdenken zum Bleiben führt.
Eine schriftliche Bestandsaufnahme
Nehmen Sie sich eine ruhige Zeit und ergänzen Sie diese Sätze:
- An meinem Beruf möchte ich bewahren, dass …
- Eine konkrete Belastung oder Enttäuschung ist …
- Außerhalb des Berufs ist mir wichtig, dass …
- Eine Veränderung innerhalb des Dienstes, die ich prüfen möchte, ist …
- Eine Möglichkeit außerhalb des Dienstes, über die ich mehr erfahren möchte, ist …
- Für eine Entscheidung fehlt mir noch …
Sie müssen nicht alle Antworten sofort wissen. Lesen Sie Ihre Notizen später erneut und besprechen Sie bei Bedarf einen einzelnen Punkt mit einer Person Ihres Vertrauens. Die Übung dient Ihrer Vorbereitung; sie ersetzt keine psychologische Behandlung und hat keine zugesicherte Wirkung.
Die praktische Anschlussfrage
Wenn aus der Orientierung eine konkrete Wechselüberlegung wird, kommen weitere Fragen hinzu: Welche Optionen sind dienstrechtlich möglich? Welche Versorgung bleibt? Wie sähe Ihr Alltag und Ihre finanzielle Planung aus?
In eigener Sache: Der folgende Abschnitt wirbt für das kostenpflichtige Dossier.
Das Ausstiegs-Dossier Polizei enthält einen Kompetenz-Übersetzer und Prüffragen zu möglichen Wechselpfaden sowie Orientierung zu den rechtlichen und finanziellen Folgen. 58 Seiten, 79 €; eine kostenlose Leseprobe steht auf der Produktseite. Die persönliche Frage, wie Sie leben und arbeiten möchten, beantwortet es Ihnen nicht.
Weiterlesen: Berufserfahrung für Bewerbungen übersetzen · Innere Kündigung im Polizeidienst · Das Gespräch zu Hause
Häufige Fragen
Bedeutet die Identitätsfrage, dass ich den Polizeidienst verlassen sollte?
Nein. Sie können die Frage nutzen, um Ihre Wünsche und Belastungen genauer zu benennen. Ob daraus eine Veränderung innerhalb des Dienstes, ein Berufswechsel oder vorerst keine berufliche Veränderung folgt, bleibt offen.
Muss ich vor der ersten Erkundung schon einen neuen Beruf kennen?
Sie können zunächst Informationen sammeln, ohne sich festzulegen. Trennen Sie solche Erkundungen von Entscheidungen mit rechtlichen oder finanziellen Folgen.
Was bleibt von meiner Berufserfahrung außerhalb der Polizei?
Ihre tatsächlich erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen. Welche davon zu einer bestimmten Stelle passen, müssen Sie anhand der Anforderungen prüfen. Der Polizeiberuf allein begründet keine allgemeine Eignung für eine andere Branche.
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