Für Anwärterinnen und Anwärter · kostenlos · Stand September 2026
Raus aus der Polizeiausbildung: Ihre ersten Schritte
Sie überlegen, Ihre Ausbildung oder Ihr Studium bei der Polizei (amtlich: den Vorbereitungsdienst) zu beenden. Oder jemand anderes hat das für Sie entschieden. Diese Seite sagt Ihnen, was in den nächsten Tagen zählt und was warten kann. Sie ersetzt keine Beratung. Sie hilft, Fristen und nächste Schritte zu sortieren.
Vorab: Unterschreiben Sie nichts, dessen Folgen Sie nicht verstanden haben. Rücknahme eines eigenen Antrags und Rechtsbehelf gegen einen Bescheid sind unterschiedliche Verfahren. Prüfen Sie Fristen sofort; Bundes- und Landesregeln sind nicht austauschbar.
Wenn es Ihnen gerade nicht um Fristen geht, sondern um die Nacht: Telefonseelsorge 116 123, kostenlos, anonym, rund um die Uhr. Bei akuter Gefahr 112. Der Rest dieser Seite läuft nicht weg.
Welche Lage ist Ihre?
Was haben Sie: einen Brief, ein Prüfungsergebnis, ein Gespräch, einen Rückforderungsbescheid oder nur Ihren eigenen Entschluss? Lesen Sie zuerst nur den Abschnitt, der dazu passt.
Sie haben einen Brief von Ihrer Behörde bekommen
- Welche Frist läuft
- Bei einer Anhörung zählt die gesetzte Antwortfrist. Gegen einen Bescheid gilt häufig eine Monatsfrist. Prüfen Sie Bekanntgabe, Rechtsbehelfsbelehrung und zuständige Stelle sofort (§§ 58, 70, 74 VwGO). Ob Widerspruch oder direkte Klage nötig ist, hängt vom Rechtskreis und der Entscheidung ab.
- Was Sie jetzt prüfen sollten
- Notieren Sie den Zugang und sichern Sie Umschlag sowie elektronische Mitteilungen. Eine Anhörung ist noch keine Entlassung; beantragen Sie bei Bedarf rechtzeitig eine Fristverlängerung.
- Was Sie riskieren
- Eine versäumte Rechtsbehelfsfrist kann zur Bestandskraft führen. Fehlerhafte Belehrung oder unverschuldete Verhinderung können Ausnahmen eröffnen (§§ 58, 60 VwGO); auch bei vermeintlichem Fristablauf sofort beraten lassen.
- Nächster Schritt
- Bei laufender Frist unmittelbar Verwaltungsrechtsberatung suchen. Personalrat und Gewerkschaft können unterstützen; deren Rechtsschutz richtet sich nach den jeweiligen Bedingungen.
Sie haben die Prüfung nicht bestanden
- Welche Frist läuft
- Prüfen Sie, ob der Versuch oder die Prüfung endgültig nicht bestanden ist, und welche Wiederholungs-, Antrags- und Rechtsbehelfsfristen gelten. Endgültiges Nichtbestehen kann den Status ohne Entlassungsverfügung beenden (§ 22 Abs. 4 BeamtStG mit Landesvorbehalt; Bund § 37 Abs. 2 BBG).
- Was Sie jetzt prüfen sollten
- Sichern Sie die offizielle Ergebnisbekanntgabe. Ob Brief, Portal oder andere Mitteilung rechtlich zählt, bestimmt das Verfahren. Beantragen Sie Akteneinsicht; sie hält Rechtsbehelfsfristen nicht automatisch an.
- Was Sie riskieren
- Ein Verzicht auf Rechtsbehelfe kann Handlungsmöglichkeiten schließen. Lesen Sie jede Erklärung vor der Unterschrift und lassen Sie unklare Folgen prüfen.
- Nächster Schritt
- Prüfungsamt nach geltender Ordnung und Akteneinsicht fragen, zulässigen Rechtsbehelf fristgerecht in der vorgeschriebenen Form sichern. Bezügeende und anschließenden Krankenversicherungsschutz sofort klären.
Ihnen wurde nahegelegt, „freiwillig“ zu gehen
- Welche Frist läuft
- Ein Gespräch ist noch kein eigener Entlassungsantrag. Trotzdem können bereits Anhörungs-, Prüfungs- oder Rechtsbehelfsfristen laufen; auch elektronische Bekanntgaben sind möglich.
- Was Sie jetzt prüfen sollten
- Bitten Sie um Bedenkzeit und lassen Sie sämtliche Mitteilungen prüfen. Eigener Antrag und behördliche Entlassung können unterschiedliche finanzielle und rechtliche Folgen haben. Einstellungsbescheid, Auflagen und Landesrecht gehören gemeinsam geprüft.
- Was Sie riskieren
- Eine vorschnelle Erklärung lässt sich nicht jederzeit einseitig zurücknehmen. Auch die bloße Bitte um Bedenkzeit verlängert keine bestehende Frist.
- Nächster Schritt
- Vor einer Erklärung Einstellungsunterlagen, Rückforderung, Versicherung und möglichen Anschluss klären. Bei Druck oder Fristablauf sofort Beratung hinzuziehen.
Sie wollen selbst gehen
- Welche Frist läuft
- Die Entlassung ist schriftlich zu verlangen (§ 23 Abs. 1 Nr. 4 BeamtStG; Bund § 33 BBG). Im Bund ist die Rücknahme binnen zwei Wochen ab Zugang bei der Behörde möglich, solange die Verfügung noch nicht zugegangen ist; nach Fristablauf mit behördlicher Zustimmung. Landesregeln gesondert prüfen.
- Was Sie jetzt prüfen sollten
- Vor dem Absenden finanzielle Folgen, Krankenversicherung und Anschlussbeschäftigung klären. Ein Monatsende ist nicht automatisch der beste Termin. Im Bund kann die Entlassung zur ordnungsgemäßen Erledigung von Aufgaben um längstens drei Monate hinausgeschoben werden (§ 33 Abs. 2 BBG).
- Was Sie riskieren
- Ein unklarer oder bedingter Antrag kann andere Folgen haben als beabsichtigt. Ein fehlendes Datum macht ihn nicht automatisch unwirksam. Bei Minderjährigen müssen Handlungsfähigkeit und erforderliche Zustimmung geprüft werden.
- Nächster Schritt
- Lassen Sie die Erklärung und den gewünschten Termin vor dem Versand prüfen. Sichern Sie den Zugangsnachweis und die schriftliche Entscheidung; Dienstpflichten bestehen bis zum wirksamen Ausscheiden fort.
Sie haben einen Rückforderungsbescheid bekommen
- Welche Frist läuft
- Häufig gilt eine Monatsfrist. Rechtsbehelf, Form, Bekanntgabe und Belehrung müssen für Ihren Bescheid geprüft werden (§§ 58, 70, 74 VwGO). Eine Ratenanfrage allein wahrt keine Rechtsbehelfsfrist.
- Was Sie jetzt prüfen sollten
- Legen Sie Einstellungsbescheid und Auflage neben die Forderung. Prüfen lassen: erfasster Beendigungsgrund, Betrag, Begründung und Billigkeit. Eine Ratenvereinbarung kann Anerkenntnis oder Verzicht enthalten; nicht jede Ratenanfrage tut dies automatisch.
- Was Sie riskieren
- Ungeprüfter Rechtsbehelfsverzicht und Fristversäumnis können Einwände abschneiden. Bei Zweifeln nicht nur mit der Zahlstelle über Raten sprechen.
- Nächster Schritt
- Zulässigen Rechtsbehelf form- und fristgerecht sichern; gewöhnliche E-Mail reicht regelmäßig nicht. Zahlungserleichterung und gegebenenfalls vorläufigen Rechtsschutz gesondert prüfen lassen.
Ihr Dienstherr ist etwa das Land oder der Bund. Die zuständige Behörde handelt für ihn; für Anträge und Rechtsbehelfe zählt die richtige empfangende Stelle.
Zwei Fristen, die schon laufen können
Zwei Wochen
gelten im Bund ab Zugang der Erklärung bei der Behörde, solange die Entlassungsverfügung noch nicht zugegangen ist. Nach Fristablauf ist behördliche Zustimmung nötig; Landesrecht gesondert prüfen.
§ 33 Abs. 1 BBG. Die konkrete Landesregel und der Zugang müssen geprüft werden.
Ein Monat
ist eine häufige Rechtsbehelfsfrist. Beginn und Rechtsbehelf hängen von Bekanntgabe und Verfahrensweg ab. Bei fehlender oder falscher Belehrung gilt grundsätzlich eine Jahresfrist mit gesetzlichen Ausnahmen; bei unverschuldeter Versäumung kann Wiedereinsetzung möglich sein.
§§ 58, 60, 70, 74 VwGO. Rechtsbehelfsbelehrung prüfen und bei Unklarheit sofort Beratung einholen.
Fristende berechnen lassen: Tatsächlicher Zugang, gesetzliche Bekanntgaberegel und Zustellungsform können sich unterscheiden. Bei einer Monatsfrist und wirksamer Bekanntgabe am 10. September 2026 wäre das reguläre Ende wegen des Samstags am 10. Oktober erst Montag, der 12. Oktober 2026 (§ 57 VwGO, § 222 ZPO). Maßgeblich ist der rechtzeitige Eingang bei der zuständigen Stelle in der vorgeschriebenen Form, nicht der Postversand. Setzen Sie Ihre Erinnerung deutlich früher.
Was in dieser Woche nicht passieren sollte
- 1
Kein Entlassungsantrag, bevor Sie Ihren Einstellungsbescheid gelesen haben. Ob Sie Geld zurückzahlen müssen, ergibt sich aus Gesetz, Verwaltungsvorschriften und Ihren individuellen Auflagen. Es können erhebliche Beträge betroffen sein. Wer den Bescheid nicht findet, bittet die Personalstelle um eine Kopie „für meine Unterlagen"; einen Grund müssen Sie nicht nennen.
- 2
Nichts im Klassenchat oder beim Ausbilder ankündigen. Screenshots landen schneller bei der Ausbildungsleitung, als Ihnen lieb ist. Klären Sie offene Fragen mit den Stellen, die entscheiden, nicht mit denen, die es weitererzählen. Der Chat kann warten, bis Ihr Datum feststeht.
- 3
Absichtlich durchfallen ist kein Ausweg. Endgültiges Nichtbestehen kann das Beamtenverhältnis kraft Gesetzes beenden; die geltende Landesregel ist gesondert zu prüfen. Wer sich in Baden-Württemberg für den gehobenen Polizeidienst bewirbt, wird nicht zum Auswahltest zugelassen, wenn er eine Ausbildung für den mittleren oder gehobenen Polizeivollzugsdienst endgültig nicht bestanden oder ohne ausreichenden Grund abgebrochen hat, gleich in welchem Land oder beim Bund (§ 9 Abs. 2 Satz 2 APrO-gPVD). Und bei der Rückzahlung kann ein absichtliches Nichtbestehen als selbst verschuldet gelten (im Bund für den Sonderzuschlag § 63 Abs. 2 BBesG). Wer sich angestrengt hat und trotzdem durchgefallen ist, ist damit nicht gemeint. Lassen Sie die Folgen der möglichen Wege prüfen, bevor Sie eine Erklärung abgeben.
Bis zum letzten Tag
Bis zum wirksamen Ausscheiden bestehen Dienstpflichten fort, soweit keine Freistellung, Dienstunfähigkeit oder andere rechtmäßige Abwesenheit vorliegt. Eigenmächtiges Fernbleiben kann disziplinarische Folgen haben. Halten Sie bei Krankheit die vorgeschriebenen Melde- und Nachweispflichten ein; eine Krankschreibung ist kein Entlassungsantrag.
Was ab dem letzten Tag anders ist
- Krankenversicherung. Lassen Sie sich vor dem Ausscheiden bestätigen, wann Heilfürsorge oder Beihilfe enden und welcher Schutz lückenlos anschließt. Landesrechtliche Übergänge sind möglich. Familienversicherung verlangt neben Altersgrenzen weitere Voraussetzungen, etwa beim Einkommen (§ 10 SGB V). Auch die Rückkehr in eine gesetzliche Kasse ist nicht für jeden Fall automatisch gegeben. Klären Sie den konkreten Anschluss mit dem Versicherer.
- Bezüge. Letzten Anspruchstag schriftlich bestätigen lassen. Im Bund sieht § 60 BBesG in bestimmten Prüfungsfällen eine Weitergewährung bis Monatsende vor, verkürzt bei neuer hauptberuflicher Tätigkeit im öffentlichen Dienst oder an einer Ersatzschule. Landesrecht kann abweichen; eine Weiterzahlung ist keine Fortsetzung des Beamtenstatus.
- Arbeitslosengeld. Die versicherungsfreie Anwärterzeit allein begründet keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I (§ 27 SGB III). Frühere Versicherungszeiten können relevant sein. Lassen Sie bei der Agentur für Arbeit Ansprüche und Meldepflichten prüfen; Leistungen des Jobcenters setzen eigene Voraussetzungen voraus.
- Rente. Bei versorgungslosem Ausscheiden kann Nachversicherung erfolgen (§ 8 SGB VI). Sie kann unter gesetzlichen Voraussetzungen aufgeschoben werden, etwa bei erwarteter erneuter versorgungsberechtigter Beschäftigung (§ 184 SGB VI). Fragen Sie nach Bearbeitungsstand und Nachweis.
Was ein Anwalt kostet
Fragen Sie am Telefon, was das erste Gespräch kostet, bevor Sie einen Termin machen. Unterschreiben Sie keine Vergütungsvereinbarung, gilt für Verbraucher eine Obergrenze von 190 Euro plus Umsatzsteuer für das erste Beratungsgespräch (§ 34 Abs. 1 Satz 3 RVG). Viele Kanzleien schlagen aber eine Vereinbarung vor; dann gilt der Preis, den Sie unterschreiben. Bei geringem Einkommen können Beratungshilfe und für ein Gerichtsverfahren Prozesskostenhilfe in Betracht kommen; beide haben weitere Voraussetzungen. Versicherung und Gewerkschaft sollen eine Deckung anhand ihrer Bedingungen bestätigen.
Wenn Ihre Eltern mitlesen
Wenn Sie es Ihren Eltern nicht selbst erklären wollen: Schicken Sie ihnen den Link zu diesem Abschnitt.
Beamter auf Widerruf heißt: Das Gesetz hat diesen Ausgang von Anfang an vorgesehen. Ein Abbruch ist keine Kündigung eines Arbeitsvertrags, kein Disziplinarfall und kein Eintrag im Führungszeugnis. Was jetzt hilft: den Tag notieren, an dem der Brief kam, den Einstellungsbescheid mitlesen, die Krankenversicherung klären. Die Entscheidung selbst müssen Sie nicht bewerten.
Bei volljährigen Kindern hat die Behörde persönliche Daten zu schützen; klären Sie vor einem Gespräch Vollmacht und zulässige Auskunft. Bei Minderjährigen sind gesetzliche Vertretung, Handlungsfähigkeit und Umfang einer erteilten Ermächtigung gesondert zu prüfen (§ 113 BGB, § 12 VwVfG). Aus der Zustimmung zur Einstellung folgt keine pauschale Empfehlung, jede Erklärung allein zu unterschreiben. Unterstützen Sie Ihr Kind beim Verstehen der Folgen.
Wenn es gerade nicht um Fristen geht
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Bei akuter Gefahr 112. Die Polizeiseelsorge bietet einen vertraulichen Gesprächsweg. Fragen Sie vorab nach Vertraulichkeit und Zuständigkeit. Bei ärztlichen Untersuchungen können Behandlung und Begutachtung unterschiedliche Rollen sein; lassen Sie Auftrag und zulässigen Informationsfluss erklären. Suchen Sie bei Beschwerden medizinische Hilfe und halten Sie dienstliche Meldepflichten ein.
Ausführlicher
- Polizeiausbildung abbrechen: Folgen, Fristen, Geld (die drei Wege aus der Ausbildung und die Rücknahmefrist)
- Anwärterbezüge zurückzahlen: Was Ihr Bundesland verlangt (Bund und alle 16 Länder mit Fundstelle, Billigkeit und Raten)
- Polizeiprüfung nicht bestanden: Wiederholung und Widerspruch (Prüfungsfristen, Wiederholungen und Bezüge mit Landesvorbehalten)
Wenn Sie mehr brauchen als die ersten Tage
Das Anwärter-Dossier Polizei enthält die Rechtskreis-Karte Ihres Landes mit Rechtsgrundlagen und belegten Rückzahlungsregeln, die Folgenmatrix der drei Beendigungswege und sechs Musterschreiben zum Abtippen. 106 Seiten, 29 €, sofort als PDF. Die Leseprobe zeigt ausgewählte Kapitel und die Übersicht der siebzehn Rechtskreise und kostet nichts. Diese Seite hier bleibt kostenlos.
Stand September 2026. Diese Seite informiert allgemein und ist keine Rechtsberatung im Einzelfall (§ 2 RDG). Fallbezogene Auskünfte und Beratung erhalten Sie bei Ihrer Personalstelle, dem Prüfungsamt, Ihrer Krankenkasse und einer Anwältin oder einem Anwalt für Verwaltungsrecht.